Wohnkosten senken: Was Mieter wirklich sparen können

Wohnen ist für die meisten Menschen der größte Posten im Haushaltsbudget. Laut Statistisches Bundesamt geben deutsche Haushalte im Schnitt rund 35 Prozent ihres verfügbaren Einkommens für Wohnen, Energie und Wohnungsinstandhaltung aus. Bei Mietern in Großstädten liegt dieser Anteil oft deutlich darüber. Wer genau hinschaut, stellt aber fest: Ein erheblicher Teil dieser Ausgaben lässt sich beeinflussen, ohne auf Komfort zu verzichten.

Betriebskosten: Der unterschätzte Kostentreiber

Die sogenannte zweite Miete, also die Betriebskosten, wird von vielen Mietern als gegeben hingenommen. Dabei lohnt es sich, die jährliche Nebenkostenabrechnung gründlich zu prüfen. Heizung und Warmwasser machen im Schnitt rund 75 Prozent der Nebenkosten aus. Wer die Heizung im Winter konsequent nachts um zwei bis drei Grad reduziert, kann den Verbrauch pro Grad um etwa sechs Prozent senken, das zeigen Erfahrungswerte aus der Gebäudetechnik.

Auch Lüftungsverhalten hat direkten Einfluss auf die Heizkosten. Kurzes, kräftiges Stoßlüften für fünf bis zehn Minuten ist energetisch deutlich günstiger als dauerhaft gekippte Fenster. Im Winter entzieht ein permanent gekipptes Fenster dem Raum kontinuierlich Wärme, ohne die Luft nennenswert zu verbessern. Wer das ändert, sieht das Ergebnis spätestens in der nächsten Abrechnung.

Stromkosten: Wo das Geld wirklich fließt

Strom ist ein Posten, bei dem Mieter mehr Spielraum haben als bei der Kaltmiete. Durchschnittlich verbraucht ein Zwei-Personen-Haushalt in Deutschland etwa 2.500 Kilowattstunden pro Jahr. Der größte Einzelverbraucher ist häufig nicht der Fernseher, sondern der Kühlschrank, der rund um die Uhr läuft. Ein Gerät der Energieeffizienzklasse A verbraucht gegenüber einem älteren Modell der Klasse B oder schlechter oft 40 bis 60 Prozent weniger Strom pro Jahr.

Wer zusätzlich den Tarif überprüft, kann nochmals sparen. Wer seinen Stromanbieter wechselt, zahlt in vielen Fällen 100 bis 200 Euro weniger pro Jahr, ohne den Verbrauch auch nur um eine Kilowattstunde zu senken. Der Wechsel selbst ist unkompliziert: Der neue Anbieter übernimmt in der Regel die Kündigung beim alten, und die Grundversorgung bleibt während der Übergangszeit gesichert.

Standby-Geräte werden oft unterschätzt. Fernseher, Spielekonsolen und Ladegerräte, die dauerhaft im Standby-Modus verbleiben, können zusammen bis zu 100 Kilowattstunden pro Jahr verbrauchen, also rund 30 bis 40 Euro. Schaltbare Steckdosenleisten sind hier eine einfache Lösung.

Smart Home: Sinnvoll oder Spielerei?

Intelligente Thermostate wie programmierbare Heizkörperregler lassen sich für 30 bis 80 Euro pro Gerät nachrüsten, oft ohne Werkzeug. Sie regulieren die Raumtemperatur automatisch nach Zeitplan und können laut Herstellerangaben sowie unabhängigen Tests den Heizenergieverbrauch um 10 bis 20 Prozent senken. Wer mehrere Zimmer damit ausstattet, amortisiert die Anschaffungskosten häufig innerhalb einer Heizsaison.

Bewegungsmelder für die Beleuchtung in Fluren, Kellern oder auf Balkonen sorgen dafür, dass Licht nicht stundenlang brennt, weil jemand vergessen hat, es auszuschalten. LED-Leuchtmittel verbrauchen gegenüber alten Halogenlampen bis zu 80 Prozent weniger Strom bei gleicher Helligkeit. Die Umrüstung einer kompletten Wohnung kostet je nach Größe zwischen 30 und 100 Euro und rechnet sich innerhalb von ein bis zwei Jahren.

Wasserverbrauch: Kleines Verhalten, große Wirkung

Wasser- und Abwasserkosten erscheinen pro Liter klein, summieren sich aber. Ein tropfender Wasserhahn verliert bis zu 4.000 Liter Wasser im Jahr, das sind bei einem Durchschnittspreis von etwa zwei Euro pro Kubikmeter rund acht Euro, plus die Kosten für das Aufwärmen, wenn es sich um den Warmwasserhahn handelt. Den Vermieter auf defekte Armaturen hinzuweisen ist deshalb auch finanziell sinnvoll, nicht nur formal korrekt.

Perlatoren, also Durchflussbegrenzer an Wasserhähnen, kosten wenige Euro und reduzieren den Wasserfluss ohne merklichen Komfortverlust. Ein Duschkopf mit Sparfunktion kann den Wasserverbrauch beim Duschen von zwölf auf sieben Liter pro Minute senken, also fast halbieren. Bei einer täglichen Dusche summiert sich das über ein Jahr auf mehrere Tausend Liter.

Rechtliche Grundlagen kennen und nutzen

Viele Mieter wissen nicht, welche Kosten der Vermieter überhaupt auf sie umlegen darf. Die Betriebskostenverordnung regelt abschließend, welche Positionen in der Nebenkostenabrechnung zulässig sind. Verwaltungskosten, Reparaturen und Instandhaltungen dürfen beispielsweise nicht auf Mieter umgelegt werden. Wer seine Abrechnung prüft, findet gelegentlich Posten, gegen die er schriftlich Widerspruch einlegen kann. Die Widerspruchsfrist beträgt in der Regel zwölf Monate nach Erhalt der Abrechnung.

Das Umweltbundesamt stellt übrigens kostenlose Ratgeber bereit, die Verbrauchswerte für Energie und Wasser in Haushalten erklären und einordnen, nützlich für alle, die ihre eigene Abrechnung besser verstehen wollen.

Fazit: Kleine Stellschrauben, spürbarer Effekt

Wohnkosten lassen sich in den meisten Fällen nicht mit einem einzigen großen Schritt senken, sondern durch mehrere kleinere Maßnahmen, die zusammen wirken. Ein realistisches Einsparpotenzial von 300 bis 600 Euro pro Jahr ist für einen durchschnittlichen Zwei-Personen-Haushalt erreichbar, wenn Tarife, Verbrauchsgewohnheiten und Haushaltgeräte gemeinsam in den Blick genommen werden. Der Aufwand dafür ist überschaubar, die Wirkung dauerhaft.