Eine hohe Stromrechnung lässt sich auch in einer Mietwohnung beeinflussen. Viele wirksame Maßnahmen erfordern weder Umbauten noch teure Anschaffungen. Entscheidend ist, zunächst den eigenen Verbrauch zu verstehen und dann dort anzusetzen, wo tatsächlich Strom benötigt wird. Neben Geräten und Alltagsgewohnheiten spielt der gewählte Tarif eine wichtige Rolle. Für größere Veränderungen, etwa eine Solaranlage am Balkon, gelten dagegen besondere Regeln.
Verbrauch und Rechnung als Ausgangspunkt prüfen
Die letzte Jahresabrechnung zeigt, wie viele Kilowattstunden im Abrechnungszeitraum verbraucht wurden und welcher Betrag dafür angefallen ist. Ein Vergleich mit der vorherigen Abrechnung kann Veränderungen sichtbar machen. Dabei sollte geprüft werden, ob beide Zeiträume ähnlich lang waren und ob die Zählerstände abgelesen oder geschätzt wurden. Wer den Zählerstand regelmäßig selbst notiert, erkennt ungewöhnliche Entwicklungen früher.
Hilfreich ist auch ein Blick auf die monatlichen Abschläge. Sie sind Vorauszahlungen und nicht mit dem tatsächlichen Verbrauch gleichzusetzen. Nach einem sparsamen Jahr kann ein Abschlag zu hoch sein; nach einer Nachzahlung kann eine Anpassung sinnvoll werden. Maßgeblich bleibt die Jahresabrechnung. Bei Unklarheiten zu Zählernummer, Zählerstand oder Vertragsdaten sollte der Stromanbieter um Klärung gebeten werden.
Stromtarif vergleichen, statt nur den Verbrauch zu senken
In einer Mietwohnung können Haushalte ihren Stromanbieter in der Regel selbst wählen, sofern sie einen eigenen Stromvertrag für die Wohnung haben. Ein Tarifvergleich sollte nicht allein auf den ausgewiesenen Arbeitspreis schauen. Auch Grundpreis, Vertragslaufzeit, Kündigungsfrist und mögliche Preisgarantien beeinflussen die Gesamtkosten. Boni können einen Tarif im ersten Vertragsjahr günstig erscheinen lassen, ohne dass er langfristig passt.
Vor einem Wechsel lohnt ein Blick in den bestehenden Vertrag. Wer sich in der Grundversorgung befindet, hat andere Kündigungsmöglichkeiten als bei einem Vertrag mit fester Laufzeit. Für einen Vergleich wird der bisherige Jahresverbrauch aus der Abrechnung benötigt. Ein Wechsel verändert weder den Stromanschluss in der Wohnung noch die Zuständigkeit des Netzbetreibers. Die Versorgung läuft auch während des Anbieterwechsels weiter.
Stromfresser im Haushalt finden
Welche Geräte am meisten kosten, hängt davon ab, wie viel Leistung sie benötigen und wie lange sie laufen. Ein Strommessgerät kann bei Geräten mit Stecker den tatsächlichen Verbrauch erfassen. Besonders aufschlussreich ist eine Messung über einen typischen Nutzungszeitraum: Ein kurzer Blick auf die momentane Leistung sagt bei Kühlschrank oder Waschmaschine wenig über den Jahresverbrauch aus.
Bei älteren Geräten ist ein Austausch nicht automatisch die beste Lösung. Anschaffungskosten und voraussichtliche Nutzung sollten gegen die mögliche Ersparnis abgewogen werden. Bei einem defekten oder sehr ineffizienten Gerät kann ein sparsames Modell sinnvoll sein. Funktionierende Geräte lassen sich oft zunächst durch passende Einstellungen wirtschaftlicher betreiben.
Küche und Waschküche effizient nutzen
Beim Kochen helfen passende Topfgrößen, Deckel und nur so viel Wasser wie nötig. Ein Wasserkocher ist für kleinere Wassermengen häufig praktischer als der Herd. Entscheidend ist jedoch, nur die benötigte Menge zu erhitzen. Der Backofen muss nicht für jedes Gericht vorgeheizt werden; maßgeblich sind die Hinweise zum jeweiligen Rezept. Häufiges Öffnen der Ofentür lässt Wärme entweichen.
Kühl- und Gefriergeräte sollten nicht unnötig kalt eingestellt sein. Wichtig sind außerdem gut schließende Türen, freie Lüftungsöffnungen und ausreichend Abstand zu Wärmequellen. Warme Speisen gehören erst nach dem Abkühlen in den Kühlschrank. Bei Waschmaschine und Geschirrspüler spart ein gut gefüllter Spül- oder Waschgang meist mehr als viele halb leere Durchläufe. Geeignete Eco-Programme benötigen oft mehr Zeit, verbrauchen aber weniger Energie.
Stand-by und Beleuchtung nicht übersehen
Router, Fernseher, Spielekonsole und Bürogeräte können auch dann Strom verbrauchen, wenn sie scheinbar ausgeschaltet sind. Ob vollständiges Abschalten sinnvoll ist, hängt vom Gerät und seiner Nutzung ab. Schaltbare Steckdosenleisten erleichtern es, mehrere Geräte gemeinsam vom Netz zu trennen. Geräte, die dauerhaft erreichbar sein oder bestimmte Einstellungen behalten müssen, sollten dabei berücksichtigt werden.
Bei der Beleuchtung sind LED-Lampen eine einfache Maßnahme, wenn noch ältere Leuchtmittel verwendet werden. Zusätzlich hilft es, Licht nur dort einzuschalten, wo es gebraucht wird. Wer eine Lampe ersetzt, sollte nicht nur auf den Stromverbrauch achten, sondern auch auf Helligkeit, Lichtfarbe und die passende Fassung. So bleibt die Beleuchtung im Alltag angenehm nutzbar.
Balkonstrom: Möglichkeit mit Abstimmungsbedarf
Ein Steckersolargerät kann einen Teil des Stroms für laufende Verbraucher selbst erzeugen. Ob es sich lohnt, hängt unter anderem vom Standort, der Ausrichtung, möglichen Verschattungen und dem Verbrauch während der Erzeugungszeiten ab. In einer Mietwohnung kommt hinzu, dass die Befestigung und sichtbare Veränderungen am Gebäude mit dem Vermieter abgestimmt werden müssen. Für das Balkonkraftwerk in einer Mietwohnung ist deshalb eine frühzeitige Klärung der geplanten Montage sinnvoll.
Vor dem Kauf sollten außerdem die baulichen Gegebenheiten, eine sichere Befestigung und die technischen Anforderungen geprüft werden. Ein Gerät, das zum Balkon und zur elektrischen Anlage passt, ist wichtiger als ein möglichst großes Modul. Auch der Aufwand für Anschaffung und Montage gehört in die Rechnung: Selbst erzeugter Strom senkt nur dann die Stromkosten, wenn die Investition zum erwarteten Nutzen passt.
Was von der Wohnung abhängt – und was nicht
Manche Einsparmöglichkeiten liegen nicht allein in der Hand der Mietenden. Fest installierte Geräte, eine elektrische Warmwasserbereitung oder eine elektrische Heizung können den Verbrauch stark prägen. Ein Durchlauferhitzer benötigt beispielsweise vor allem dann Strom, wenn warmes Wasser gezapft wird. Kürzeres Duschen und eine angemessene Wassertemperatur können hier helfen. Bei technischen Defekten oder auffälligem Verbrauch sollte jedoch die Ursache geprüft werden, statt nur das eigene Verhalten zu ändern.
Auch Gemeinschaftsstrom für Treppenhaus, Aufzug oder Außenbeleuchtung ist vom privaten Wohnungsstrom zu unterscheiden. Er wird gegebenenfalls über die Betriebskosten abgerechnet. Wer eine auffällige Position in der Betriebskostenabrechnung bemerkt, sollte sie daher getrennt von der eigenen Stromrechnung prüfen. Energiesparmaßnahmen an gemeinschaftlichen Anlagen sind Sache der zuständigen Eigentümer oder Verwaltung.
Fazit
Stromkosten sinken am zuverlässigsten, wenn Verbrauch und Tarif gemeinsam betrachtet werden. Zählerstände und Abrechnungen liefern die Grundlage, Messungen zeigen mögliche Stromfresser. Im Alltag helfen passende Geräteeinstellungen und bewusste Nutzung. Für größere Maßnahmen sollten Mietende vorab klären, was technisch sinnvoll ist und wofür eine Abstimmung mit dem Vermieter nötig wird.


