Ein Eichhörnchen legt zwischen September und November bis zu 10.000 einzelne Vorratsverstecke an. Es vergräbt Haselnüsse, Walnüsse und Bucheckern an unterschiedlichen Orten im Garten, unter Baumwurzeln, in Blumenbeeten oder unter Laubhaufen. Studien zeigen, dass die Tiere dabei nicht zufällig vorgehen, sondern räumliche Gedächtnisleistungen nutzen, die für ihre Körpergröße bemerkenswert sind. Dennoch gehen schätzungsweise 25 bis 30 Prozent aller angelegten Depots verloren, weil andere Tiere sie plündern oder der Schnee die Orientierungspunkte verdeckt.
Warum Eichhörnchen im Winter zusätzliche Hilfe brauchen
Eichhörnchen halten keinen echten Winterschlaf. Sie fallen in einen Halbschlaf, den Torpor, aus dem sie alle zwei bis vier Tage aufwachen, um Nahrung zu suchen. Bei Dauerfrost unter minus fünf Grad oder bei einer geschlossenen Schneedecke über 15 Zentimeter Tiefe können sie ihre vergrabenen Vorräte kaum noch orten. Genau in diesen Phasen ist die Sterblichkeit bei Jungtieren am höchsten. Ein Futterhaus im Garten schließt diese Versorgungslücke.
Wichtig ist dabei der Unterschied zwischen einem Vogelhäuschen und einem echten Eichhörnchen-Futterhaus. Letzteres hat einen flachen, offenen Trog oder eine schräge Ablage, auf der die Tiere sitzen können, sowie eine Abdeckung, die Regen und Schnee fernhält. Manche Modelle verfügen über einen Aufhängehaken und eine kleine Schachtel, in die das Eichhörnchen selbst Nüsse einlagern kann, also eine Art kontrolliertes Depot.
Natürliche Versteck-Logik verstehen und nutzen
Eichhörnchen arbeiten nach einem Prinzip, das Biologen als „scatter hoarding“ bezeichnen: viele kleine Depots statt eines großen Lagers. Das reduziert das Risiko, bei einer Plünderung alles auf einmal zu verlieren. Die Tiere bevorzugen dabei trockene, gut drainierte Böden, Tiefen zwischen drei und acht Zentimetern und Stellen in der Nähe markanter Strukturen wie Baumstämmen oder Pflastersteinkanten.
Wer diese Logik kennt, kann sein Futterhaus entsprechend platzieren. Ein Standort in zwei bis drei Metern Höhe an einem Baum, der dem Tier als Orientierungspunkt dient, ist deutlich effektiver als ein freistehendes Modell mitten auf dem Rasen. Das Eichhörnchen verknüpft den Baum als Landmarke mit der Futterquelle und findet das Haus auch nach Schneefällen zuverlässig wieder.
Materialien und Bauweisen im Vergleich
Auf dem Markt gibt es drei verbreitete Bauweisen:
- Offene Plattform aus Kiefernholz: günstig, einfach zu reinigen, aber wenig Witterungsschutz. Geeignet für Regionen mit milden Wintern.
- Kastenmodell mit Einstiegsloch: schützt Futter besser vor Regen, wird aber von scheuen Tieren anfangs oft gemieden. Eingewöhnungszeit von zwei bis vier Wochen einplanen.
- Kombination aus Ablagefläche und Vorratsbehälter: das aufwendigste Modell, ermöglicht dem Eichhörnchen, selbst Vorräte anzulegen. Für Gärten mit regelmäßigem Eichhörnchenbesuch empfehlenswert.
Für alle Modelle gilt: druckimprägniertes Holz sollte vermieden werden, da die Chemikalien für Tiere schädlich sein können. Unbehandeltes Fichtenholz oder FSC-zertifiziertes Lärchenholz sind die empfehlenswertere Wahl. Ein Dach mit mindestens fünf Zentimetern Überstand hält auch Schlagregen zuverlässig vom Futter fern.
Das richtige Futter für Wintervorräte
Haselnüsse sind die erste Wahl, weil sie einen hohen Fettgehalt von rund 60 Prozent haben und damit die energiereichste Nahrungsquelle für die kalte Jahreszeit sind. Walnüsse eignen sich ebenfalls, sollten aber nur in kleinen Mengen angeboten werden, da sie ranzig werden können. Sonnenblumenkerne sind leicht verdaulich, liefern aber weniger Energie pro Gramm als Nüsse.
Weniger bekannt, aber bewährt: getrocknete Maiskolben. Sie lassen sich gut am Futterhaus befestigen und geben Eichhörnchen Beschäftigung. Finger weg von gesalzenen Nüssen, Erdnüssen aus der Tüte und Brot. Salz schädigt die Nieren, Erdnüsse können Aflatoxine enthalten, und Brot schimmelt schnell und hat kaum Nährwert.
Wer gezielt nach einem geeigneten Modell sucht, findet beim Eichhörnchen Futterhaus Testsieger eine Übersicht getesteter Produkte mit konkreten Angaben zu Maßen, Holzart und Befestigung. Das erleichtert die Auswahl erheblich, vor allem wenn man mehrere Modelle vergleichen will.
Standort, Hygiene und Winterpflege
Ein Futterhaus, das im Oktober aufgehängt wird, braucht zwei bis drei Wochen, bis es regelmäßig angenommen wird. Eichhörnchen sind neugierig, aber vorsichtig gegenüber neuen Strukturen in ihrem Revier. Die Eingewöhnungsphase lässt sich verkürzen, indem man das Haus zunächst mit wenig Futter bestückt und es mit einem Nuss-Stück direkt am Stamm unterhalb des Hauses ergänzt, als Wegweiser sozusagen.
Hygiene wird beim Futterhaus häufig unterschätzt. Schimmeliges Futter ist eine der häufigsten indirekten Todesursachen bei Wildtieren im Garten. Das Haus sollte alle zehn bis vierzehn Tage ausgekehrt werden, angesammeltes Regenwasser sofort entfernt und alte Futterreste nicht einfach überschüttet werden. Eine gründliche Reinigung mit heißem Wasser und einer Bürste reicht aus. Desinfektionsmittel sind unnötig und können Rückstände hinterlassen.
Praktische Checkliste für den Winter
- Futterhaus bis spätestens Mitte Oktober aufhängen, damit die Eingewöhnung vor dem ersten Frost abgeschlossen ist
- Standort: zwei bis drei Meter Höhe, an einem Baum mit freiem Anflug von oben
- Futter alle drei bis fünf Tage erneuern, bei Temperaturen unter null Grad täglich kontrollieren
- Keine Feuchtigkeit im Trog dulden, Abdeckung nach jedem Schneefall freiräumen
- Im März Betrieb einstellen, Haus reinigen und trocken lagern
Mehrwert über den Winter hinaus
Ein Eichhörnchen, das einen Garten als verlässliche Futterquelle kennt, kehrt auch im Frühjahr und Sommer zurück. Das ist kein Nachteil. Eichhörnchen fressen Schädlinge wie Larven und Insekten und tragen durch ihre vergessenen Depots zur Verbreitung von Baum- und Strauchsamen bei. Ein Haselnussstrauch, der vor drei Jahren an einer ungewöhnlichen Stelle im Garten aufgegangen ist, geht in den meisten Fällen auf ein vergessenes Depot zurück.
Ein gutes Futterhaus ist deshalb keine rein karitative Einrichtung für ein putziges Tier, sondern ein kleiner, konkreter Beitrag zur Biodiversität im eigenen Garten. Wer einmal gesehen hat, wie ein Eichhörnchen im Januar trotz minus acht Grad sein Haus ansteuert, versteht schnell, warum der Aufwand sich lohnt.


