Rohre in der Mietwohnung reinigen: Hausmittel oder Profi?

Das Wasser läuft nur noch langsam ab, aus dem Abfluss kommt ein unangenehmer Geruch, oder der Abfluss steht komplett. Solche Situationen kennen die meisten Mieter. Die erste Frage lautet dann meist: Selbst kümmern oder den Vermieter anrufen? Die Antwort hängt von der Ursache und vom Ausmaß des Problems ab.

Was verstopfte Rohre in Mietwohnungen verursacht

Die häufigsten Ursachen lassen sich grob in zwei Kategorien einteilen: selbst verursachte Verstopfungen und bauliche Probleme, die außerhalb des Einflussbereichs des Mieters liegen.

Zur ersten Kategorie gehören Fettablagerungen im Küchenabfluss, Haare und Seifenreste im Badabfluss sowie Feuchttücher oder Wattepads, die in der Toilette entsorgt wurden. Diese Verstopfungen sitzen meist in den ersten 50 bis 100 Zentimetern des Rohres, also in einem Bereich, den ein Mieter selbst erreichen kann.

Zur zweiten Kategorie zählen Ablagerungen im Hauptstrang des Gebäudes, Wurzeleinwuchs in Außenleitungen oder ein defektes Rohrgefälle. Solche Probleme liegen strukturell vor und sind eindeutig Vermietersache.

Hausmittel: Was funktioniert und was nicht

Bevor jemand zur chemischen Keule greift, lohnt ein Blick auf einfache mechanische und biologische Methoden. Der Klassiker ist die Saugglocke, im Fachhandel für 5 bis 15 Euro erhältlich. Sie erzeugt Druckunterschiede, die lockere Verstopfungen lösen. Bei einem Badabfluss, der durch einen Haarpfropfen blockiert ist, reichen oft wenige kräftige Züge.

Natron und Essig sind in vielen Haushalten vorhanden. Die Kombination erzeugt eine Kohlensäurereaktion, die leichte Fettablagerungen aufweichen kann. Praktisch: 3 bis 4 Esslöffel Natron in den Abfluss geben, dann etwa 100 Milliliter Haushaltsessig nachkippen, zehn Minuten warten, anschließend mit kochendem Wasser nachspülen. Das funktioniert gut bei frischen, leichten Verstopfungen, nicht bei festgesetzten Ablagerungen, die sich über Monate aufgebaut haben.

Kochendes Wasser allein hilft bei Fettablagerungen in Kunststoffrohren nur bedingt, weil die Temperatur schnell abfällt. Bei älteren Bleirohren oder verzinkten Leitungen sollte man auf Kochendwasser-Methoden ganz verzichten, da Temperaturschwankungen Schäden begünstigen.

Wann chemische Abflussreiniger keine gute Idee sind

Schaumreiniger und Granulate mit Natriumhydroxid (Natronlauge) stehen in jedem Supermarkt. Sie wirken bei organischen Verstopfungen tatsächlich schnell, haben aber zwei Nachteile: Erstens greifen sie bei älteren PVC-Rohren die Dichtungen an, wenn sie zu häufig eingesetzt werden. Zweitens helfen sie überhaupt nicht, wenn die Verstopfung aus nicht organischem Material besteht, also etwa aus einem Spielzeug, das im Abfluss verschwunden ist. In solchen Fällen verschärfen sie die Situation, weil das korrosive Mittel im Rohr steht und die Leitungen angreift.

Die Rechtslage: Wer zahlt was?

Im deutschen Mietrecht gilt als Grundsatz: Der Mieter trägt die Kosten für Schäden, die er selbst verursacht hat. Eine Verstopfung durch Essensreste oder Haare gilt in der Regel als vom Mieter verursacht. Anders sieht es aus, wenn die Leitungen des Gebäudes verschlissen sind oder der Hauptstrang verstopft ist.

Viele Mietverträge enthalten Klauseln zu Kleinreparaturen, die den Mieter bis zu einem bestimmten Betrag, häufig 75 bis 150 Euro pro Einzelfall und 200 bis 300 Euro pro Jahr, zur Selbstbeteiligung verpflichten. Liegt der Kostenvoranschlag eines Fachbetriebs darüber oder ist unklar, wer die Ursache gesetzt hat, sollte man den Vermieter schriftlich informieren, bevor man einen Betrieb beauftragt. Wer ohne Absprache einen Fachmann ruft, riskiert, auf den Kosten sitzen zu bleiben.

Wann ein Fachbetrieb unumgänglich ist

Es gibt Situationen, in denen selbst handeln nicht mehr ausreicht oder zu riskant ist:

  • Mehrere Abflüsse sind gleichzeitig betroffen. Wenn Küche, Bad und Toilette gleichzeitig nicht mehr funktionieren, liegt das Problem fast immer im Hauptstrang.
  • Wasser tritt aus Verbindungsstücken oder aus der Wand aus. Das ist kein Abflussproblem mehr, sondern ein Rohrschaden.
  • Übler Geruch ohne erkennbare Ursache im Abfluss. Das kann auf einen Siphon-Defekt oder auf Risse im Rohr hindeuten, durch die Abwassergas austritt.
  • Totale Blockade, die mechanisch nicht lösbar ist. Wenn weder Saugglocke noch Spirale (Rohrspirale für ca. 20 bis 50 Euro erhältlich) etwas bewegen, sitzt die Verstopfung tiefer oder fester als mit Hausmitteln erreichbar.

Professionelle Betriebe setzen bei solchen Fällen Hochdruckspülgeräte ein, die mit bis zu 150 bar arbeiten, oder führen eine Kamerabefahrung durch. Diese Kamerainspektion kostet je nach Länge der zu untersuchenden Leitung zwischen 80 und 250 Euro, liefert aber einen klaren Befund darüber, ob das Rohr rissig, korrodiert oder nur verstopft ist. Wer in einer Großstadt wie Wien wohnt, kann einen lokalen Anbieter wie Rohrreinigung Wien beauftragen, der solche Inspektionen und Spülungen durchführt.

Vorbeugung: Was Mieter dauerhaft tun können

Verstopfungen lassen sich mit wenig Aufwand deutlich reduzieren. Im Bad hilft ein Haarsieb über dem Abfluss, das für 3 bis 8 Euro erhältlich ist und wöchentlich gereinigt werden sollte. In der Küche gilt: Speisereste, Kaffeesatz und Fette gehören in den Restmüll, nicht in den Abfluss. Fett, das flüssig in den Abfluss gegossen wird, kühlt in den Rohren ab und lagert sich ab. Über Monate entsteht daraus ein Belag, der den Querschnitt des Rohres auf die Hälfte oder weniger reduzieren kann.

Einmal im Monat den Abfluss mit heißem Wasser und einem Schuss Spülmittel durchspülen reicht als Routinepflege meist aus, um frische Ablagerungen zu lösen, bevor sie sich festsetzen.

Dokumentation schützt vor Streit

Wer ein Rohrproblem in der Mietwohnung bemerkt, sollte es schriftlich festhalten: Datum, Symptome und gegebenenfalls Fotos. Das schützt in beide Richtungen. Der Mieter kann nachweisen, dass er das Problem zeitnah gemeldet hat. Der Vermieter kann nicht im Nachhinein behaupten, die Schäden seien durch langes Zuwarten entstanden. Eine kurze E-Mail an den Vermieter mit Datum und Beschreibung des Problems reicht als Dokumentation vollständig aus.

Verstopfte Rohre in der Mietwohnung sind in den meisten Fällen kein Drama. Wer die Ursache richtig einschätzt, kann viele Situationen selbst lösen. Wer hingegen zögert und bei ernsthaften Problemen zu lange wartet, riskiert Folgeschäden, die teurer werden als jede Fachbetriebsrechnung.